Herrnhuter Losungen

Dienstag, 17. September 2019
Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Lass sie aufstehen; lass sehen, ob sie dir helfen können in deiner Not!
Jesus stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille.

Sascha S. – Bekehrung in der Todeszelle


Viele Tragödien und erschütternde Schicksale haben wir bei unseren Reisen erlebt. So lernten wir eines Tages auch den Strafgefangenen Sascha S. kennen. Wegen seiner zahlreichen Verbrechen war er insgesamt über 30 Jahre eingekerkert. Fünf Jahre sollte er nun in der Todeszelle auf seine Erschießung warten.

Bei einem Ausbruchsversuch mit Waffengewalt und Handgranaten kam es zwischen den Gefangenen und Offizieren zum Schusswechsel, wobei versehentlich der herbeigerufene Richter erschossen wurde. Beim Einsatz von zwei Handgranaten wurden Sascha bei einer Fehlzündung bzw. missglückten Explosion beide Füße abgerissen. Anschließend versuchte er, sich selbst umzubringen. Nur weil in diesem Moment zufällig ein Aufseher nach ihm schauen wollte, konnte dies verhindert werden.

In der Todeszelle warf ihm eines Tages ein Wachmann ein Neues Gideon-Testament durch die Luke mit der Bemerkung: „Hier, das kannst du lesen, … und anfangen zu büßen!“ Sascha las und stieß schließlich in der Bergpredigt auf den Satz: „Alles was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen“ (Matth. 7,12).

Gottes Geist ließ ihn erschrecken über sein verdorbenes und schuldbeladenes Leben; aber auch Gnade finden in dem Blut und den Wunden des auch für ihn gekreuzigten Heilandes der Welt. Nach tiefer Buße und Reue nahm er den auferstandenen Herrn Jesus Christus in sein Leben und in sein Herz auf. Er wurde ein neuer Mensch, ein Zeuge und Diener Jesu, der nun selbst viele zur Umkehr und zum Dienst Jesu rief.

Trotz schwerster Behinderung setzte er sich schonungslos bei der monatelangen Straflagerexpedition Russlands – durch einige hundert Lager – für die Bekehrung seiner gefangenen Brüder ein. Seinem auch jahrzehntelang eingekerkerten Bruder bekannte er brieflich seinen Glauben an den Heiland der Welt. Er forderte ihn auf: „Bruder, du musst dich auch bekehren, Buße tun und an den Heiland der Welt – an sein Kreuz und seine Auferstehung – glauben.“

Dieser schrieb ihm: „Bruder, ich bin schon gläubig! Die Brüder sind zu uns gekommen.“ Wie sich später herausstellte, hatten unsere Brüder dieses Straflager in der Taiga besucht, dort zu Buße und Glauben gerufen und Neue Testamente verteilt. Gott wacht über sein Wort – er lässt seine Saat aufgehen.

Wieder einmal waren wir mehr als überrascht und dankbar.