Herrnhuter Losungen

Montag, 14. Oktober 2019
Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen.
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

Waldemar J. – Serow/Mittelural – ein ehemaliger Ausbrecher im Dienst Jesu


In Serow hatte Waldemar J., der noch hinter Stacheldraht zum Glauben gefunden hatte, ein Reha-Zentrum aufgebaut, um seinen aus den Straflagern entlassenen Brüdern weiterzuhelfen.

Als Koordinator für das Uralgebiet besuchte er dort regelmäßig die einzelnen Straflager, ging einzelnen Schicksalen nach, kümmerte sich um Straßenkinder und setzte sich zusätzlich auch für die Sonntagsschule und die Gestaltung der örtlichen Gottesdienste ein.

Wir lernten Waldemar J. vor ungefähr 15 Jahren in einem Straflager strengen Regimes in Chinevorek Nordrussland kennen. Er war gerade dabei, einen Fluchttunnel zum erneuten Ausbruch zu graben, als er über Lautsprecher eine Einladung zu einer christlichen Andacht mit deutschen Gläubigen hörte.

Jetzt wollte er diese deutschen „Typen“ einmal näher kennenlernen, die doch jede Menge Geld kassieren mussten, „dass sie über Tausende Kilometer Entfernung zu Verbrechern in die Taiga fuhren“ (Originalton Waldemar J.). Aber er wurde positiv überrascht:

Die Liebe Jesu und das Wort Gottes berührten seine Seele. Der Geist Gottes fing an, in seinem Herzen zu arbeiten. Im Straflager, in dem er als nächstes inhaftiert war, passierte es endlich: Er drang zum lebendigen Glauben an den Heiland Jesus Christus durch, der, wie er nun erkannte, auch für seine Schuld gekreuzigt worden war.

Nach seiner Entlassung besuchten wir gemeinsam mit Waldemar J. viele Jahre lang die verschiedensten Straflager. Bei den Verhandlungen mit einem Lagerboss bemerkte dieser resigniert: „Es ist doch alles umsonst, was ihr da macht, das mit eurem Glauben. Es hat doch seither nie etwas gebracht. Könnt ihr mir mal einen zeigen, dessen Leben sich verändert hat, der ein anderer Mensch geworden ist?“

Sofort stellten wir ihm unsere beiden strafentlassenen Brüder vor, die selbst wegen schwerer Verbrechen viele Jahre hinter Stacheldraht verbracht hatten. Ihr Zeugnis machte diesen Offizier sprachlos und verherrlichte den Namen des Herrn.

Zusammen mit Waldemar J. besuchten wir 2006 mit einem kleinen Propellerflugzeug das in einem großen Sumpfgebiet gelegene Straflager Puchsinka. Bei unserer Ankunft sagte der Lagerchef zu einem der Brüder: „Was will denn der alte (damals 75-jährige) Missionar hier bei euch?“. „Der Alte hat mich vor fünfzehn Jahren hinter Stacheldraht in der Taiga gefunden, mich aus dem Elend gezogen und bis heute begleitet“, war seine Antwort.

Der Boss schwieg – sein Verhalten war anders geworden. Er bedankte sich mehrmals, dass wir sein Straflager – abgeschnitten von der Umgebung – in dem riesigen Sumpfgebiet besuchten. Auch dort konnten die Eingekerkerten die Frohe Botschaft Jesu hören und wir hatten außerdem die Möglichkeit, mit den bekehrten Kriminellen gesegnete Gemeinschaft zu pflegen.